Allgemeine Informationen zur Motherdrum

(Quellen siehe unten)

 

Herkunft und Bedeutung


5.600 v. Chr. :          

Die Grundform — ein großer Holzrahmen mit einer gespannten Tierhaut (Kurz: Rahmentrommel) zählt zu den ältesten Musikinstrumenten überhaupt. Schon um 5.600 v. Chr. wurden Darstellungen in der neolithischen Siedlung Catal Höyük (heute Türkei) gefunden. Diese Siedlung aus der Jungsteinzeit gilt als die erste Großsiedlung der Weltgeschichte. 


3.000 v. Chr. :

Die Trommel der Göttin – Ursprung der Motherdrum

Lange bevor Worte geschrieben, Städte gebaut oder Götter in Stein gemeißelt wurden, sang die Erde ihren eigenen Rhythmus. Im alten Sumer, im Land zwischen Euphrat und Tigris, nannte man ihn den Herzschlag der Göttin Inanna – Himmelskönigin, Liebende und Schöpferin allen Lebens. Sie schenkte den Menschen die Me, die göttlichen Gaben der Zivilisation: Weisheit, Handwerk, Gesang – und den Klang der Trommel. Wenn Inanna spielte, zitterte der Himmel, und die Erde antwortete.


Die Wurzeln der „Motherdrum“ reichen bis in diese frühe Hochkultur zurück. Inanna galt als Erschafferin der Musikinstrumente, darunter der Rahmentrommel, die von ihren Priesterinnen in Tempeln von Uruk bis Ur gespielt wurde. Musik war heilig – ein Mittel, die Göttin in sich selbst zu erfahren.

Die Trommel war kein Begleitinstrument, sondern ein Werkzeug göttlicher Verbindung:
 Sie verkörperte den Herzschlag der Göttin. Ihr Rhythmus stand für Leben, Tod und Wiedergeburt. Ihr Klang öffnete das Tor zwischen Mensch und Himmel. In den Nächten der Heiligen Hochzeit, wenn Inanna sich mit Dumuzi, dem Gott der Fruchtbarkeit, vereinte, erfüllte der Trommelrhythmus die Hallen. Er erinnerte an den ewigen Tanz zwischen Himmel und Erde, Schöpfung und Vergänglichkeit. Wenn wir heute den Klang einer Motherdrum spüren, schwingt darin derselbe Rhythmus, den einst die Priesterinnen Inannas schlugen – der Herzschlag von Mutter Erde, der niemals verstummt.

(Die Geschichte von Innana, wurde später mit dem Namen der Göttin Ischta zusammengebracht, bzw. es könnte ein Name und Betrachtung der gleichen Person von verschiedenen Völkern gemeint sein) 


Warum die Motherdrum im Mittelalter verschwand – zumindest in Europa

Die Trommel spielte einst eine zentrale Rolle: Sie war das Instrument weiblicher Priesterschaft, Symbol der Schöpfung, des Herzschlags und der Verbindung zur göttlichen Mutter – ein heiliges Gefäß des Lebensrhythmus, wie das Echo des Mutterleibs, in dem alles beginnt.

Mit der Ausbreitung mesopotamischer Einflüsse nach Anatolien und Griechenland wanderte auch dieses Symbol. Im Kult der Göttin Kybele (ab ca. 1000 v. Chr.) spielten ihre Priesterinnen, die Galloi, das Tympanon, eine Rahmentrommel, die in Trance versetzte, um die Gegenwart der Göttin zu erfahren. Auch Artemis und Isis, Göttinnen der Fruchtbarkeit und des Schutzes, wurden mit Trommeln verehrt. In Darstellungen aus Griechenland und Rom sieht man Frauen mit Tympana im Tanz oder in Ekstase – eine Fortführung der sumerischen Symbolik.

Dieses Weltbild wandelte sich mit der Ausbreitung der monotheistischen, patriarchal geprägten Religionen. Die göttliche Schöpfung wurde nun männlich gedacht – ein Vatergott statt einer Muttergöttin – und damit verloren weibliche spirituelle Praktiken ihre religiöse Legitimation. Instrumente, die mit Weiblichkeit, Ekstase oder Erdverbundenheit assoziiert waren, galten zunehmend als heidnisch oder sündhaft. Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. verurteilten Kirchenväter wie Augustinus oder Tertullian musikalische Rituale außerhalb des kirchlichen Rahmens. In Schriften jener Zeit finden sich Sätze wie:

„Die Trommel, die den Wahnsinn der Weiber erregt, möge schweigen in der Kirche Christi.“
(Pseudo-Cyprian, 4. Jh.)


Männliche und militärische Bedeutung


So verschwand die Trommel fast vollständig aus Liturgie und höfischer Musik. Wenn sie überdauerte, dann als Kriegs- oder Signalinstrument – mit männlicher, militärischer Bedeutung statt spiritueller oder heilender. Aus dem „Herz der Erde“ wurde ein „Werkzeug des Kampfes“.

Im Hoch- und Spätmittelalter (12.–16. Jh.) traf die Verdrängung weiblicher Spiritualität Frauen besonders hart. Wer Musik, Heilkunst oder Trance praktizierte, galt rasch als „Hexe“ oder „Zauberin“. Trommeln, Rasseln oder Gesänge wurden als Werkzeuge der Beschwörung angesehen. In ländlichen Regionen, wo alte Fruchtbarkeitsrituale überlebt hatten, deuteten kirchliche Autoritäten solche Praktiken als „Teufelsdienst“. Damit verschwand die Trommel endgültig aus der spirituellen Praxis Europas. Die weiblich-schamanische Klangtradition wurde ausgelöscht oder ins Verborgene gedrängt. Die Theologie des Mittelalters setzte Körperlichkeit mit Versuchung gleich. Klang, Rhythmus, Tanz und Ekstase galten als Ausdruck des Sinnlichen – etwas, das es zu überwinden galt. Als körperlich erfahrbares, rhythmisches Instrument passte die Trommel nicht mehr in das asketische Weltbild jener Zeit. So verlor sie ihre alte Funktion als Medium zwischen Mensch und Erde.


Indigene und außereuropäische Parallelen

Während in Europa Trommeln tabuisiert wurden, blieben sie in anderen Kulturen spirituell zentral: In indigenen nordamerikanischen Traditionen (z. B. Plains-Völker) steht die große Powwow-Drum für den Herzschlag von Mutter Erde. Mehrere Menschen schlagen sie gemeinsam – eine Symbolik, die der Motherdrum sehr ähnelt. In afrikanischen Traditionen, etwa bei den Yoruba, heißt die Leit-Trommel Ìyáàlù Bàtá – wörtlich „Mutter der Trommeln“ – sie führt die Kommunikation zwischen Menschen und Göttern. Auch in sibirischen und mongolischen Schamanentraditionen gilt die Trommel als „Pferd“ oder „Mutter“, die den Schamanen auf seiner spirituellen Reise trägt. Die Kernsymbolik bleibt lebendig: Trommel = Verbindung zwischen Erde, Himmel, Mensch und Geist.

  

Heutige Bedeutung und Praxis

Die Wiederbelegung spiritueller Trommeltraditionen erfolgte zunächst in den 1970er Jahren in der Frauen-New-Age-Bewegung. Pionierin war Layne Redmond (USA 1952-2013). Sie verband archäologische, mythologische und musikalische Forschung und brachte die Idee der „Drummers Were Women“ zurück in Bewusstsein und Praxis. Zeitgleich entstanden in Europa die ersten großen, doppelseitig bespannten Trommeln, inspiriert von Powwow-Drums – später bekannt als „Motherdrum“ oder „Earth Drum“. Der deutsche Klangtherapeut Stephan Bergmann entwickelte um 2000 eine große Trommel (Ø 1–2 m), auf der Menschen liegen können. Sie wird für Trommelmassagen, Klangreisen und Heilrituale genutzt. Die Trommel ist wieder das Herz der Erde – ein Werkzeug der Heilung, Verbundenheit und spirituellen Erinnerung. Heute verstehen viele Praktizierende die Motherdrum als Symbol für Ganzheit, Rhythmus und Rückkehr zur ursprünglichen Einheit. Sie steht für „Erde als Mutter“ – einen archetypischen Gedanken, der in vielen Kulturen unabhängig voneinander auftaucht. In Workshops oder Retreats wird die Trommel als Ort der Begegnung erlebt: zwischen Menschen, zwischen Körper und Geist, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Moderne Hersteller (z. B. Feeltone, Meinl) betonen, dass ihre Drums „den Herzschlag von Mutter Erde“ hör- und fühlbar machen.

 

Quellen: UNT Digital Library, motherdrum.com, folklife.si.edu, feeltone, soundhealingresearchfoundation.org+1, Welldrum, Secret Wiki, stalbertgazette.com, Hpathy.com, janeelworthy.com.au+2opencourses.uoa.gr, sacreddrumming, Layne Redmond, When the Drummers Were Women: A Spiritual History of Rhythm (1997), layneredmond.com, ibew.org.uk, pipeandtaborcompendium.co.uk, Inanna and Enki: The Transfer of the Me (ca. 2100 v. Chr.), Übersetzung in: Samuel Noah Kramer & Diane Wolkstein, Inanna: Queen of Heaven and Earth, Harper & Row 1983, Samuel Noah Kramer: Sumerian Mythology: A Study of Spiritual and Literary Achievement in the Third Millennium B.C. (University of Pennsylvania Press, 1961), Anne Kilmer: The Music of Ancient Sumer, Journal of Near Eastern Studies 32(3), 1973